Brain specialist

Legenden aus der Stadt

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EON-Personalvorstandsfrau Regine Stachelhaus fragt in der letzten FAS, warum es „so wenig Frauen in Führungspositionen“ gibt und:

Können wir nicht, wollen wir nicht, oder lässt Mann uns nicht?

Offenbar geht die Autorin davon aus, dass Frauen und Männer gleich sind, Gleiches können und Gleiches wollen – andernfalls würde sie sich nicht darüber wundern, dass es zwischen Frauen und Männern statistisch sichtbare Verhaltensunterschiede gibt.

Angenommen also, Frau Stachelhaus hält Frauen und Männer in der Theorie für gleich: Warum fragt sie dann in punkto Praxis (Chefsesselverteilung) nur, warum Frauen nicht wie Männer sind, und nicht, warum Männer nicht wie Frauen sind?

Wahrscheinlich, weil ihre Forderungen dann nicht dazu passen würden:

Denn wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen. Nicht nur, weil es gerechter ist. Sondern auch, weil Unternehmen mit Frauen in der Führung schlicht erfolgreicher, kreativer und wandlungsfähiger sind. Es geht dabei auch um die Ausschöpfung vernachlässigter Potentiale – nicht zuletzt um den demographisch bedingten Fachkräftemangel zu meistern.

(Was für ermüdende Endlosschleifen aus immergleichen Worten. In- und ausländische Zeitungen sind voll davon. Es scheint der Moment herbeigesehnt zu werden, in dem die Durchschnittsfrau endlich das Gleiche sollen will oder wollen soll wie der Durchschnittsmann. Es lässt sich auch gar nicht unterscheiden, ob es die Vorstände von Unternehmen oder von Parteien sind, die so sprechen. Oder „nur“ Journalisten. Oder falls Partei: welche genau? Keine genau. Alle haben die gleichen Scrabble-Steinchen aus dem „Her mit den Frauen!“-Säckchen gezogen und zu Buchstabenkombinationen mit nur minimalen Abweichungen angeordnet.)

Warum ist es „gerechter“, wenn „mehr Frauen in Führungspositionen“ sind? Weniger Frauen als Männer in Führungspositionen wäre doch nur unter bestimmten Bedingungen ungerecht, nämlich wenn etwa…

…Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts Führungspositionen oder Firmengründungen verweigert würden,

…Frauen zugunsten von schlechter qualifizierten Männern im Bewerbungsverfahren aussortiert würden,

…Männer in Führungspositionen weibliche Mitarbeiter schlechter behandelten als Frauen in Führungspositionen dies tun.

Mir scheint, keiner der Punkte ist bei uns üblicher Geschäftsalltag. Und falls doch irgendwo, so haben Frauen die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.

„Erfolgreicher, kreativer und wandlungsfähiger“: Das könnte sich auf die McKinsey-Studie Women matter beziehen. Deren angebliches Fazit, wonach mehr Frauen ursächlich für mehr Gewinne sind, verfestigt seinen Urban-legend-Charakter in einem derartigen Tempo, dass die Studie gar nicht mehr explizit genannt werden muss, um etwas zu belegen, was sie in Wahrheit gar nicht belegt. Auf S. 12 heißt es dort:

Correlation is not necessarily cause, but the correlation between organisational excellence and women’s participation in management bodies is nonetheless striking.

Auch eine striking correlation ist nur eine correlation.

Wenn Politiker oder Journalisten correlation und causation nicht unterscheiden können, denke ich: Na gut, sind eben Politiker oder Journalisten. Aber bei einer wie Regine Stachelhaus, die mal Geschäftsführerin bei HP und Managerin des Jahres war, denke ich: Wenn selbst die schlausten und taffsten Karrierefrauen Deutschlands so denken und reden, dann – hm.

Interessant wäre, wie denn mit Hilfe des Credos Mehr Frauen > mehr Gewinne der gegenwärtige, weltweit bestaunte Aufschwung der deutschen Wirtschaft, speziell im Maschinenbau, wegerklärt werden kann. Kommt der quotenforderungstechnisch nicht ein bisschen zu früh? Es ist doch Deutschland hier, und nicht zum Beispiel Norwegen.

„Ausschöpfung vernachlässigter Potentiale“, „demographisch bedingter Fachkräftemangel“. Vernachlässigtes Potential der Frauen?! Was muss man sich darunter vorstellen? Und der Fachkräftemangel betrifft doch in erster Linie Ingenieurberufe, also ohnehin keine Frauendomäne.

Welche weiblichen Potentiale und Fachkräfte sind also gemeint, und mit welchen Mitteln sollen die angeblich verborgenen Schätze gehoben werden? Kindergeldstreichung, wenn die Ingenieurin nicht direkt nach der Elternzeit wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt? Geschlechterquoten bereits bei der Studienplatzvergabe?

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Written by brainspecialist

20. September 2010 um 20:29

2 Antworten

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  1. Mich würde interessieren, ob Sie hierfür
    „Offenbar geht die Autorin davon aus,
    dass Frauen und Männer gleich sind, Gleiches können und Gleiches wollen“

    eine andere als die übliche biologistische Begründung haben, nach der die Evolution dafür gesorgt habe, daß … blabla … . Ich hab schon länger die Vermutung, daß sich eine mittels sozialer Verhaltensgewohnheiten zusammenstricken lassen müßte, aber ich bekomme es (noch) nicht hin.

    Elmar Diederichs

    22. September 2010 at 00:49

    • Kennen Sie die Human universals von Donald E. Brown? Darin sind auch geschlechterbezogene Merkmale enthalten, etwa „Frauen leisten mehr unmittelbare Kinderbetreuung“, „Ehemann im Durchschnitt älter als Ehefrau“, „Männer beherrschen öffentliches/politisches Leben“ oder „Arbeitsteilung nach Geschlecht“. In ausnahmslos allen je dokumentierten Kulturen wurden diese Dinge beobachtet. Also auch in Kulturen, die sich aus zeitlichen oder räumlichen Gründen gar nicht (hätten) austauschen und beeinflussen können. Es muss also irgendetwas in der menschlichen Natur geben, das in Interaktion mit den allen Menschen gemeinsamen Lebensbedingungen auf der Erde zu solchen geschlechtsspezifischen Ausprägungen führt.

      brainspecialist

      22. September 2010 at 21:45


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