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Noch mehr Frauen

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Die Quoten-Pläne der Telekom sorgen für eine starke Medienpräsenz des Themas. Gute Gelegenheit, die Suche nach überzeugenden Belegen für die Gewinnsteigerung qua Frauenquote fortzusetzen. Auf ZEIT ONLINE schrieb Tina Groll vorgestern dies:

Immer wieder konstatieren Studien, dass Unternehmen, an deren Spitzen Männer und Frauen gleichberechtigt entscheiden, wesentlich erfolgreicher, effizienter und profitabler sind. Eine Studie unter finnischen Unternehmen, die Entscheidungspositionen mit Frauen besetzten, zeigte, dass die Profitabilität durchschnittlich um bis zu 20 Prozent stieg.

„Studien“. Verlinkt ist ein Handelsblatt-Artikel über eine Studie mit dem Titel „How costly is diversity? Affirmative Action in Light of Gender Differences in Competitiveness“. Dort wird mit einem Experiment gezeigt, dass die offizielle Einrichtung einer Frauenquote zur Folge haben kann, dass weniger Männer mit besseren (Rechen-)Leistungen übergangen werden müssen, als wenn man ein unter „normalen“ Konkurrenzbedingungen zustande gekommenes Bewerberfeld im Nachhinein mit einer Frauenquote belegt. In jedem Fall aber muss auf Männer mit besseren Testleistungen verzichtet werden. Wie Tina Groll aus diesen Ergebnissen schließt, dass paritätisch besetzte Unternehmensspitzen „wesentlich erfolgreicher, effizienter und profitabler“ seien, bleibt unklar.

„Wesentlich erfolgreicher“. Der Link bezieht sich auf einen DIW-Bericht über die Unterrepräsentanz von Frauen in den Topetagen der Wirtschaft. Die einzig relevante Textstelle ist der Hinweis auf Seite 9, dass „in Studien festgestellt wurde, dass gemischte Führungsteams den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens befördern“. In einer dazugehörigen Fußnote wird die McKinsey-Studie Women matter genannt, welche, wie gezeigt, nur Korrelationen, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehungen belegt.

„Studie unter finnischen Unternehmen“. Dazu gibt es keinen Link, ich habe aber bei der Autorin nachgefragt.

Update 26.04.10: Frau Groll antwortete, ich solle mich an die „finnische Handelskammer“ oder die Botschaft in Berlin wenden. Die deutsch-finnische Handelskammer in Helsinki wusste jedenfalls nichts von einer derartigen Studie. Eine Nachfrage bei der Botschaft steht noch aus.

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Written by brainspecialist

17. März 2010 um 23:10

Veröffentlicht in Correlation is not causation

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